Mehr Extremwetter in Wittgenstein und Siegeszug der Erneuerbaren Energien – ein Kommentar zum Weltklima-Gipfel

Ein Ende der Kostenreduktion von Erneuerbaren Energien ist nicht in Sicht

Ein Ende der Kostenreduktion von Erneuerbaren Energien (hier PV-Anlage auf dem Städt. Gymnasium Bad Laasphe) ist nicht in Sicht

Auf der UN-Klimakonferenz in Marrakesch wird intesiv über die weltweite Klimastrategie diskutiert. Dabei werden die Folgen des Klimawandels auch zunehmend in Wittgenstein deutlich. Kreislandwirt Lothar Menn konstatierte, dass die Zunahme der Wetterextremen zu längeren Perioden von Nässe und Trockenheit führt (Siegener Zeitung vom 8. November 2016). Es stiegen die Starkniederschläge; die Wetterstation Kahler Asten registrierte von 1955 bis 2015 fast 25 Schneetage weniger und einem Temperaturanstieg von 0,5 bis 0,8 Grad Celsius. Da scheint der Wahlerfolg des designierten US-Präsidenten Donald zur Unzeit zu kommen. Der bekannte im November 2012 auf Twitter: „Die Idee der globalen Erwärmung wurde von und für die Chinesen erfunden, um die US-Wirtschaft wettbewerbsunfähig zu machen.“

Jedoch kann selbst bei einer Ablehnung des Klimawandels nicht der weltweite Erfolg der Erneuerbaren Energien bestritten werden. Im Jahr 2015 wurden erneut Ausbaurekorde gebrochen – bei weiter fallenden Erzeugungspreisen. Es wurden täglich 500.000 Solarmodule montiert oder allein in China alle zwei Stunden eine neue Windkraftanlage installiert (iwr.de). In China wurde passend dazu auch eine fulminante Elektroautoquote beschlossen, welche bereits ab 2018 gilt. Keine Utopie in Zeiten von immer größeren Reichweiten, welche für einen Großteil der Bevölkerung völlig ausreichend sind.

Die Strahlung am havarierten Reaktor 4 von Tschernobyl ist weiterhin deutlich erhöht (2,4 µSv/h statt dem Normalwert 0,15 µSv/h)

Die Strahlung am havarierten Reaktor 4 von Tschernobyl (im Hintergrund) ist weiterhin deutlich erhöht (2,4 µSv/h statt dem Normalwert 0,15 µSv/h)

Von den Gefahren der Kernkraft erinnert dieser Tage der havarierte Reaktor von Tschernobyl: Dort wurde eine „Übergangslösung“ fertiggestellt. Das bisher größte bewegliche Landbauwerk der Menschheit soll bis die Radioaktivität für die kommenden 100 Jahre einschließen. Bisher schützt nur eine provisorische Abdichtung vor den 180 Tonnen hochradioaktiven Material. Damit wird das Problem Tschernobyl lediglich verschoben, denn für die Aufarbeitung der strahlenden Wrackteile ist bisher unmöglich. Nur mittels internationaler Hilfsgelder kann die Ukraine die Kosten von 1,5 Mrd. Euro für das Projekt aufbringen (zeit.de). Auch die extremen Kosten von Großbritanniens neuem Kernkraftwerk Hinkley Point C mahnen: Rund 11 Eurocent pro Kilowattstunde mit Inflationsausgleich für die nächsten 35 Jahre. Die Baukosten werden mit ca. 28 Mrd. Euro angegeben (telegraph.co.uk).

Bereits jetzt ist Strom aus Sonnen- und Windenergie deutlich günstiger für als das neue Kernkraftwerk nutzbar – ohne das immense Summen des Rückbaus, strahlender Müll und die Reaktorsicherheit bedacht werden müssen. Vor allem: Aller Vorurteile zum Trotz existieren bereits alle nötigen Technologien, die Energieversorgung zügig von Kern- oder Kohlekraft auf Erneuerbare Energien umzustellen. Diese tragen bspw. die Namen Power-to-Heat, intilligenter Stromverbrauch, Sektorenkopplung – ohne das eine „Dunkelflaute“ droht.

Biomasseheizkraftwerk Wittgenstein

Biomasseheizkraftwerk Wittgenstein (im Februar 2016 besichtigt)

Auch wenn die Politik den deutschen Bürgerenergiegesellschaften mit stetig neuen Gesetzesänderungen das Leben schwer macht, so gibt es für alle Bürgerinnen und Bürger viele Möglichkeiten sich für die Energiewende und gegen den Klimawandel einzusetzen. Wittgenstein ist für eine nachhaltige Energiepolitik prädestiniert: Entgegen mancher Vermutung lohnen sich Photovoltaik-Anlagen weiterhin, es existieren Potentiale zur Wasserkraft-Nutzung, als waldreichster Landkreis kann Biomasse zur Wärme- oder Stromerzeugung genutzt werden und der Wind weht stark, was seit Kyrill bekannt ist. Die Vorteile – lokale Wertschöpfung, den Klimaschutz, vermiedene Umweltschäden und eine nachhaltige Energieerzeugung – bieten sich an. Und sind Motivation für die Energiegenossenschaft, dort weiter aktiv zu sein.

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